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Poetry Slam – ein literarisch-künstlerisches Veranstaltungsformat, das aus Deutschland nicht mehr wegzudenken ist und inzwischen auch Einzug in den Unterricht an vielen Schulen erhalten hat. Der Slam ist ein Vortragswettbewerb, bei dem ausschließlich selbstgeschriebene Texte jedwedes Genre von Prosa bis Lyrik innerhalb eines gesetzten Zeitlimits präsentiert werden. Das Publikum entscheidet in diesem Rahmen über einen Siegertext. Im deutschen Sprachraum finden beispielsweise jedes Jahr Slammeisterschaften, wie letztes Jahr in Hannover statt, bei welchen Künstler alleine oder im Team ihre unterschiedlichsten Texte präsentieren. U21-Wettbewerbe öffnen die Pforten auch für jüngere Menschen, was viele professionelle Slammer inzwischen zu Workshops an Schulen sowie Jugendzentren geführt hat.

So hatte das GaF am 12.1. Besuch aus Berlin: Kinderbuchautorin und Poetry Slammerin Jana Heinicke war für einige Vormittagsstunden in Salzgitter, um eine Fähigkeit bei Schülerinnen und Schülern der Klasse 10.3 zu fördern, die an vielen Stellen, insbesondere im Deutschunterricht, leider immer noch zu kurz kommt: Kreativität.

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Heinicke war viele Jahre in der professionellen Slamszene mit ihren Texten auf Bühnen unterwegs – ihr bekannter Heimat-Text wurde erst kürzlich in einem Schulbuch für Baden-Württemberg veröffentlicht. Neben den Poetry Slams liegen der Autorin, die literarisches Schreiben studiert hat, besonders Kinderbücher am Herzen, von denen bereits eins erschienen ist und sich ein weiteres im Druck befindet. Der Einladung durch die Deutschlehrerin der 10.3  zu einem Workshop am GaF folgte sie gerne.

So war das Ziel des mehrstündigen Workshops,den Schülerinnen und Schülern Schreibanlässe für individuelle Texte zu schaffen. „Dies geht nur, wenn ihr authentisch auf der Bühne und beim Verfassen eurer Texte seid.“, so Heinicke, die mit ihrer schülernahen und offenen Art eine arbeits- und lernfreundliche Atmosphäre in der Aula kreirte. Der Morgen begann mit kurzen Schreibübungen, die darauf abzielten, den Schülerinnen und Schülern die Hemmungen zu nehmen, überhaupt erst ins Schreiben zu kommen. „Es wurde doch schon über alles geschrieben!“ oder „Ich habe keine Ideen, worüber ich schreiben soll.“ sind typische Sätze, die Heinicke bei solchen Workshops immer wieder hört. Nach dem „automatischen Schreiben“ – einer Schreibübung, bei der man in einem bestimmten Zeitrahmen – hier 10 Minuten – auf gar keinen Fall den Stift absetzen darf und vorgegebene Wörter wie Jacke, Silvester oder Monster in seinen Text integrieren muss, war vielen klar: Alle hatten die gleiche Zeit und dieselben Begriffe zur Verfügung, trotzdem entstanden über 20 verschiedene Texte, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Nach weiteren kurzen Schreibübungen bekamen die Schülerinnen und Schülern genügend Zeit, an ihren ersten Ideen weiterzuarbeiten oder sich auch komplett neue Texte einfallen zu lassen. Es schien, als ob die Aula geradezu zur Kreativität einlud, da über eine Stunde nichts außer das Kratzen der Stifte auf Papier und dem konstruktiven Austausch innerhalb der Klasse über die Texte zu hören war.

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So wurden Heinickes Erwartungen übertroffen, als am Ende des Workshoptages mehrere Schülerinnen und Schüler ihre nahezu fertigen Texte auf der Bühne der Aula vorstellten. „So war das gar nicht gedacht. An einem Vormittag kann ich oft nur Anlässe zum Schreiben schaffen – von fertigen Texten ist jedoch selten die Rede.“ Humoristische, nachdenkliche, aber auch sehr persönliche Texte waren am Ende zu hören, die durch konstruktive und wertschätzende Rückmeldungen seitens der Klasse und der Kinderbuchautorin aufgenommen wurden.

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Mit diesem Input aus dem Workshop wurden die Texte in den Deutschunterricht der nächsten Wochen überführt und so den Schülerinnen und Schülern Raum und Zeit gegeben, daran weiterzuarbeiten oder auch neue Schreibideen aufs Papier zu bringen. Heinicke lobte die freundliche Atmosphäre an der Schule und insbesondere innerhalb der Klasse: „Erst in einem solchen Rahmen können derartige Texte überhaupt entstehen.“

Ein interner Klassen-Slam entschied schließlich darüber, welche Texte am diesjährigen Kulturabend am 25.5. im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des GaF der Schulöffentlichkeit präsentiert werden. Freut euch auf tolle Texte, die unterschiedlicher nicht sein können!

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