Seit einem halben Jahr freuten wir uns auf den Gegenbesuch der Finnen bei uns in Deutschland. Spätestens aber seit den Osterferien haben sich die Familien intensiv auf ihre/n Gastschüler/in vorbereitet und ein Wochenend-Programm geplant.

Die Gruppe der Finnen bei uns in Deutschland war mit 11 Schülern und zwei Lehrkräften ein wenig kleiner als bei unserem Besuch in Finnland, sodass sich in diesem Jahr alle Schüler mehr oder weniger kannten. Schließlich war ein Finne dabei, der als Ersatz für seine Schwester mitkam und daher in Imatra nicht am Austauschprogramm teilgenommen hatte.

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Am Donnerstag, d. 02. Mai gegen ca. 17 Uhr trafen die Finnen in Salzgitter ein und wurden von ihren Gastfamilien mit einer Mischung aus Freude, Neugier und Aufregung in Empfang genommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die finnischen Gäste bereits eine 11-stündige Reise hinter sich, sodass das Kennenlernen der übrigen Gastfamilien-Mitglieder erst einmal im Vordergrund stand.

Am folgenden Freitag wurde die Gruppe im Computerraum begrüßt, bevor sich die gesamte Gruppe für drei Stunden in den deutschen Unterricht aufmachte. Neben Englisch stand auch Chemie auf dem Programm. Dort lernten auch die finnischen Kolleginnen etwas zum Thema Titration kennen und konnten die praktischen Fertigkeiten der deutschen Schüler studieren.

Nach der dritten Stunde ging es für alle Austauschteilnehmer in das Rathaus der Stadt, wo wir von Herrn Heinisch mit einer warmen Mahlzeit und leckeren Getränken begrüßt wurden. Nach ein paar Informationen über Salzgitter und die Verbindung der beiden Partnerstädte sowie dem obligatorischen Gruppenfoto, machte sich der Trupp auf nach Braunschweig, um eine Stadtführung und eine Dombesichtigung zu erhalten. Da es in Finnland gerade wieder angefangen hatte zu schneien, waren auch der Wind und die relativ kühle Außentemperatur für die Finnen kein Problem, während die deutschen Schüler teilweise froren.

Nach diesem langen Programm erhielt die Gruppe auch noch ein wenig Zeit, die Geschäftsräume in den Schloss-Arkaden zu besichtigen.

Das folgende Wochenende wurde auf vielfältige Weise verbracht. Einige Schüler zeigten ihren Finnen die Hauptstadt oder den Harz, während andere ein Bundesligaspiel des VFL Wolfsburg vorzogen.

Dennoch traf man sich abends in größeren Gruppen zu gemeinsamen Aktivitäten.

Am Montag begann die etwas abenteuerliche Reise (mit Anruf-Sammeltaxi und mehrmaligem Umsteigen) am Bahnhof in Salzgitter, allerdings nur mit den Finnen, sodass die deutschen Schüler ihre lästigen Klassenarbeiten schreiben konnten. Das Ziel war die Stadt Goslar.

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Zuerst machten wir uns auf den Weg zum Weltkulturerbe Rammelsberg. Dort hatten wir eine äußerst interessante Führung im Bergwerk gebucht, die Schüler und Lehrer begeisterte, da sie auch die eigenen Bergbaufertigkeiten überprüfte. Und wer kann schon von sich behaupten, in einem Weltkulturerbe mit Fäustel und Schlägel Löcher in die Wände geschlagen zu haben?

Unser Tag in Goslar beinhaltete im Anschluss auch noch eine Stadtführung, welche uns vom Marktplatz über die Kaiserpfalz und zurück zum „Dukatenscheißer“ auf dem Marktplatz führte.

 

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Nach einem anstrengenden Tag mit vielen Informationen und Impressionen wurden schließlich die finnischen Gäste vom Bahnhof in Salzgitter abgeholt und man ließ den Tag gemeinsam bei einer Fußball- bzw. Basketballpartie am See ausklingen.

Dienstags ging es für die gesamte Truppe, mit Ausnahme einer Lehrkraft, früh los nach Wolfsburg, wo es zu einer sehr interessanten Werkstour durch die Fertigung des VW-Werks ging. Es war spannend zu beobachten, wie die Roboter in Windeseile große Bauteile, wie z. B. bei der Hochzeit (Zusammenführung von Motor und Karosse), zusammensetzten und verschraubten.

Danach konnten die motorsportbegeisterten Finnen in der Autostadt zu Mittag essen und ein paar beeindruckende Fotos von alten, aber auch sehr modernen Autos machen.

So verwundert es auch nicht weiter, dass ein Teil der Schüler, auch als es die Freigabe zum Einkaufen im Outlet-Center gab, noch länger in der Autostadt blieb, um weitere Erinnerungsfotos zu schießen.

Nach der abendlichen Heimkehr war von den deutschen Schülern schon ein gemeinsames Abendessen in einem asiatischen Restaurant in Salzgitter organisiert worden.

Am Mittwoch stand einerseits ein kompletter Schultag auf dem Plan, sodass die Finnen die Möglichkeit hatten, ihr allseits gelobtes Schulsystem mit dem deutschen zu vergleichen. Außerdem hatten die deutschen Schüler am Nachmittag noch etwas Zeit, um die kulinarischen Köstlichkeiten für den Abschluss-Abend zu zaubern.

Man traf sich also größtenteils um ca. 16:45 Uhr, um letzte Tische und die Technik für das Entertainment der Finnen bereitzustellen.

Dieses bestand aus einem Quiz, bei dem man vieles über Finnland/Imatra (z. B., wie viele Einwohner die Stadt Imatra hat) und die teilnehmenden Jugendlichen (unter anderem, dass es eine finnische Meisterin im Kampfsport in der Gruppe gab) lernen konnte und ein paar Zungenbrecher, die von den deutschen bravourös gemeistert wurden.

Ein schöner und kurzweiliger Abend, zu dem auch ein paar weitere Kolleginnen erschienen waren, ging zu Ende, und eigentlich hätten wir noch weitermachen können, wenn nicht ein abschließendes Bowlen der gesamten Gruppe, die  Verabschiedung in den Gastfamilien und in einigen Fällen auch noch das Kofferpacken und Verteilen der Einkäufe auf Handgepäck und Koffer auf dem Programm gestanden hätte.

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Der Abschied am Donnerstagmorgen fiel keinem von uns leicht. Mit Tränen in den Augen und nach vielen Umarmungen und guten Wünschen mussten wir schweren Herzens mit ansehen, wie die Finnen in den kleinen Bus Richtung Berlin gestiegen sind. Alle Finnen waren aber nicht dabei, da eine Kollegin es aufgrund einer Sperrung auf der Autobahn Richtung Salzgitter bevorzugte, lieber unterwegs abgeholt zu werden, anstatt zu riskieren, nicht rechtzeitig vor der Schule zu sein und den Zeitplan durcheinander zu bringen.

 Wir sind sehr froh, dass der Austausch stattgefunden hat und können es kaum erwarten, im nächsten Schuljahr wieder für eine Woche nach Imatra zu fliegen.

Ein großer Dank geht an die engagierten Gastfamilien, ohne die ein solcher Austausch gar nicht möglich wäre. Außerdem gilt der Dank unserem Kollegium, sei es für die freundliche Aufnahme einer finnischen Kollegin, das Zupacken und Erscheinen am Abschlussabend und/oder das Mitnehmen der finnischen Gäste in den Unterricht.

 

(Bericht von Herrn Sommer)